Apotheken im Kreis Minden-Lübbecke wehren sich gegen Reformpläne

Das Bundesgesundheitsministerium will Apotheken ohne Apotheker schaffen – und verschlechtert
damit die Versorgung der Patienten massiv, wie die Apotheker auch im Kreis Minden-Lübbecke
befürchten.

Bad Oeynhausen. Die Reform des Apothekenwesens, die das Bundesgesundheitsministerium derzeit plant, wird von den Apothekerinnen und Apothekern auch im Kreis Minden-Lübbecke kategorisch abgelehnt. „Wenn der Gesundheitsminister seine Pläne umsetzt, bedeutet dies über kurz oder lang das Ende der bewährten wohnortnahen Arzneimittelversorgung und der Apotheke vor Ort“, warnt Manuela Schier, Vorsitzende der Bezirksgruppe Minden-Lübbecke im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL).

Schmerzmittel nur auf Termin?
Denn der Bundesgesundheitsminister will Apotheken ohne Apotheker schaffen. Künftig soll ein Pharmazeut nur noch wenige Stunden pro Woche persönlich in der Apotheke anwesend sein müssen. „Wie soll das funktionieren?“, fragt Manuela Schier. „Viele Leistungen können nur von einer Apothekerin oder einem Apotheker erbracht werden, zum Beispiel die Abgabe von starken Schmerzmitteln. Sollen wir diese künftig nur noch einmal pro Woche mit Termin abgegeben? So lange kann ein Schmerzpatient nicht warten“, kritisiert Manuela Schier. „Das Ministerium kürzt damit Leistungen für Patienten.“

Auch die persönliche Beratung der Patienten werde leiden, fürchtet sie. Denn ohne das besondere
Fachwissen der Apotheker gebe es keine umfassende Medikationsberatung. „Das bedeutet für die Patienten weniger Therapiesicherheit und weniger Hilfe, um Neben- und Wechselwirkungen zu vermeiden. Das führt zu Folgeerkrankungen und am Ende auch zu höheren Kosten im Gesundheitssystem.“ Auch will das Ministerium die Ausstattung der Apotheken einschränken, sodass künftig nicht mehr alle Betriebe Rezepturen herstellen, also individuelle Arzneimittel für Patienten wie Salben und Cremes oder im Falle von Engpässen Fieber- und Antibiotikasäfte.

Weitere Schließungen drohen
Ferner finde der Minister mit seinem Entwurf keine Lösung für die durch die Politik verursachte wirtschaftlich schwierige Lage der Apotheken, sondern verschärfe sie sogar noch zusätzlich, kritisiert Manuela Schier. Die Vergütung der Apotheken ist staatlich geregelt und seit mehr als elf Jahren nicht mehr erhöht, sondern zuletzt sogar gekürzt worden. „Wir brauchen dringend einen Inflationsaus-gleich“, fordert Manuela Schier. Vor einem Jahr bereits sind sie und ihre Kollegen erstmals auf die Straße gegangen und haben gegen die Unterfinanzierung der Apotheken protestiert: „Seitdem hat sich nichts verbessert, die Lage ist nur noch schlimmer geworden. Ein Viertel der Apotheken ist bundesweit mittlerweile wirtschaftlich stark gefährdet. Die Zahl der Schließungen wird weiter zunehmen.“

Seit Beginn des Jahres 2022 bis heute sind rund 1.200 Apotheken bundesweit geschlossen worden. Das entspricht nahezu 70 Prozent der Apotheken in Westfalen-Lippe. Die Situation droht sich durch die Reformpläne noch zuzuspitzen: Das Ministerium will Honoraranteile umverteilen, vermeintlich zugunsten kleiner Apotheken. „Diese werden aber nur in homöopathischer Dosis profitieren, dafür geraten weitere Apotheken in Schieflage, die bis jetzt noch wirtschaftlich sind“, so Manuela Schier.

„Das wohnortnahe Netz wird ausdünnen und gerade im Nacht- und Notdienst werden die Wege für die Patienten immer weiter.“ Manuela Schier fordert daher von ihren Kommunalpolitikern sowie Bundes- und Landtagsabgeordneten dringend zu verhindern, dass diese Pläne umgesetzt werden. Sie bittet auch die Patienten, sich für den Erhalt der Apotheken vor Ort einzusetzen. „Wenn es keine Apotheken vor Ort mehr gibt“, betont
Manuela Schier, „führt dies nicht nur zu einer für jeden Bürger deutlich spürbaren Verschlechterung
der Gesundheitsversorgung, sondern das Gesundheitssystem wird sich für die Gesellschaft enorm
verteuern. Eine gute Gesundheitsversorgung ist zudem ein wichtiger Standortfaktor, der dann insbesondere zulasten kleinerer, ländlicher Kommunen verloren gehen wird. Ferner werden viele wohnortnahe und familienfreundliche Arbeitsplätze vernichtet.“

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