Weser‑Fähre vor dem Comeback: Bürger wollen das Steuer selbst übernehmen
Bad Oeynhausen/Porta Westfalica – Es ist eine Geschichte, die nach Sommer, Gemeinschaft und Aufbruch riecht: Die legendäre Fährverbindung zwischen Bad Oeynhausen‑Rehme und dem Großen Weserbogen soll zurückkehren – und diesmal wird von den Menschen selbst getragen. Drei öffentliche Veranstaltungen haben gezeigt, wie sehr die Region dieses Stück Heimat vermisst. Und nun steht fest: Nach der Sommerpause soll ein neuer Verein gegründet werden, der die Fähre wieder zum Leben erweckt.
Was im März als Idee begann, hat sich zu einer Bewegung entwickelt. Die Resonanz ist überwältigend: Über 50 Interessierte haben sich gemeldet, diskutiert, Pläne geschmiedet und ihre Bereitschaft signalisiert, selbst mit anzupacken. Stadtplanerin Gabriele Schmidt aus Porta Westfalica zeigt sich begeistert: „Für einen zuverlässigen Betrieb der neuen Elektro‑ und Solar‑Fähre brauchen wir geschulte Ehrenamtliche. Es ist beeindruckend, wie viele Menschen diese Vision teilen.“
Am 22. Juli wurde es konkret: Mehr als 20 engagierte Bürgerinnen und Bürger kamen im Rathaus zusammen – und die Stimmung war eindeutig. Der Großteil möchte den neuen Trägerverein aktiv mitgründen, rund die Hälfte kann sich sogar vorstellen, sich zum ehrenamtlichen Fährmann oder zur Fährfrau ausbilden zu lassen. Ein Zeichen dafür, wie sehr die Fähre als Symbol für Verbundenheit und regionale Identität empfunden wird.
Die technischen Prüfungen laufen bereits auf Hochtouren. In den vergangenen Wochen wurden die Fähranleger gründlich untersucht, rechtliche und praktische Fragen mit dem Wasserstraßen‑ und Schifffahrtsamt sowie der Bezirksregierung geklärt. Und auch die Städte Porta Westfalica und Bad Oeynhausen steigen „mit ins Boot“: Sie wollen als feste Mitglieder im Verein Verantwortung übernehmen, Risiken abfedern und die finanzielle Basis sichern. Ein starkes Signal, das zeigt: Diese Fähre soll nicht nur fahren – sie soll bleiben.
Ein Schwerpunkt des Treffens war die Ausbildung zum Fährschifffahrtszeugnis. Ein erfahrener Teilnehmer erklärte praxisnah, welche Schritte notwendig sind, um später selbst am Steuer der neuen Elektro‑ und Solar‑Fähre zu stehen. Alle relevanten Informationen werden derzeit gebündelt und sollen bald auf der offiziellen Homepage veröffentlicht werden – ein klarer Fahrplan für alle, die sich einbringen wollen.
Die Zuversicht ist groß, der Zeitplan steht: Im August erhalten alle Interessierten eine Einladung zum nächsten Treffen, das Anfang September stattfinden soll. Dem Schreiben wird bereits der Entwurf der Vereinssatzung beiliegen – die Kommunen arbeiten derzeit an der finalen Version.
Mit der Vereinsgründung im Spätsommer wird das Fundament gelegt. Dann beginnt offiziell die Reise hin zum großen Ziel: 2028 soll die Fähre wieder über die Weser gleiten – elektrisch, solarbetrieben und getragen von Menschen, die ihre Region lieben.
Ein Stück Tradition kehrt zurück. Und es sind die Bürgerinnen und Bürger selbst, die es möglich machen.
